Leben fordert heraus


Besonders beeindruckt uns, wenn wir begeistert sind oder ein Problem lösen können. Ein Leben ohne Probleme, Schwierigkeiten, Chaos würde uns quasi leblos machen.

 

Was „unter die Haut geht“ belebt Herz und Hirn

 

Nichts bewegt uns so sehr wie die Beziehungen zu anderen Menschen. Deshalb reagiert unser Gehirn besonders stark, wenn sich etwas ändert in den sozialen Beziehungen, in denen wir leben: Wir freuen uns, wenn wir gute Freunde haben.  Uns geht es nicht gut, wenn wir uns streiten oder uns in einer Gruppe allein fühlen. Wir leiden, wenn einem uns nahestehenden Menschen etwas zustößt.

 

Wer sich aus emotionalen Beziehungen zu seinen Mitmenschen herauszuhalten versucht, dem fehlt irgendwann viel von dem, was Gefühle im Gehirn hervorrufen kann. Aktiv zu sein, mit anderen Menschen gemeinsam etwas zu tun, etwas Neues auszuprobieren, hält fit, jung und lebendig.

 

Probleme für sich behalten, heißt oft - sie behalten

 

Zum Leben gehört auch immer eine Portion Leid, Sorgen und Probleme dazu. Es ist keine Schande, Probleme zu haben. Offen darüber reden hilft, Wege zu finden, die Probleme anzupacken. Je früher Du das tust, umso besser. Das hilft Dir nicht nur in der aktuellen Situation. Du wirst auch etwas sehr Wichtiges für Dein Leben mitnehmen, selbst wenn Du das jetzt noch nicht merkst. Du wirst schlauer, lebenserfahrener, sensibler, gelassener, weiser, achtsamer, freudiger. Krisen können wir nur aushalten, wenn wir auf etwas zurückgreifen können, was uns in schwierigen Zeiten Kraft gibt und trägt: Zutrauen zu sich selbst, Musik, Glaube, Schreiben, Freundschaft, Liebe ... 

 

Über Dinge reden oder singen, die sie traurig machen, für Clair Oelkers von Karpatenhund der erste Schritt in eine bessere Zeit.
Reden oder Schweigen

 

Über psychische Schwierigkeiten zu reden, ist nicht einfach. Über ein gebrochenes Bein zu reden, ist einfacher. Da ist etwas zu sehen. Du gehst sofort zum Arzt (wenn Du noch gehen kannst). Und Du bekommst gute Ratschläge von alle jenen, die auch schon mal einen Beinbruch hatten. Du humpelst vor Dich hin und nach ein paar Wochen ist das Bein in aller Regel wieder heil.

 

Psychische Probleme sind eher unsichtbar. Sie beeinflussen Dein Denken, Fühlen, Verhalten. Du veränderst Dich. Das merkst Du und wer Dich gut kennt, meistens auch. ?„Geteiltes Leid ist halbes Leid“, sagt ein Sprichwort. Da scheint etwas dran zu sein, sonst wäre es kein Sprichwort geworden. Doch bei „Psycho-Sachen“ halten wir es oft anders. ?Psychische Probleme sind verpönt, lösen Angst aus, scheinen ein Tabu zu sein. Psychische Probleme haben immer nur die anderen. Ich doch nicht! Dabei ist unsere Psyche die komplizierteste Sache der Welt. Und was kompliziert ist, braucht besondere Pflege.

 

Mehr zum Gehirn erfährst Du z.B. von den Hirnforschern Gerald Hüther und Manfred Spitzer.

 

Schwere Kindheit? Du kannst Dein Leben dennoch erfolgreich meistern!

 

Viele Menschen glauben, dass psychische Probleme ihre Ursache in der Kindheit haben, weil dort etwas nicht so gut gelaufen ist. Klar hinterlassen schwierige Kindheitserlebnisse Spuren. Und die Umgebung, in der wir aufwachsen, prägt uns.

 

Tatsache ist aber auch, dass viele ausgeglichene, gesunde Menschen eine schwere Kindheit hatten und andere, die unter vielen Problemen leiden, als Kind relativ glücklich und sorglos waren.  

 

Vielleicht hast Du Dich schon mal gewundert, dass Menschen erstaunlich gut mit den Schrecken von Kriegen, Naturkatastrophen, wie auch schwierigen Familienverhältnissen fertig werden. Nur wenige Kinder von alkoholkranken Eltern fangen an, selbst zu trinken, genau wie Kinder von psychisch kranken Eltern eher selten selbst psychisch krank werden. ?Und nur ein kleiner Teil der Kinder, die in gewalttätigen Familien aufwachsen, wird später gewalttätig.

 

Ich lass mich nicht unterkriegen  

 

Wie kommt es, dass ein Kind schwierige und schlimme Situationen gut verkraftet, ein anderes dagegen daran zerbricht??Wieso gelingt es manchen Kindern sogar, aus Krisen gestärkt hervorzugehen??Wie ist das möglich? Gibt es so etwas wie seelische Widerstandskraft?

 

Was mich nicht umbringt, macht mich stark

 

Anne Frank war offenbar ein Mensch mit viel seelischer Widerstandskraft. Du hast bestimmt schon von ihr gehört. Jahrelang musste das jüdische Mädchen in einem Versteck leben, weil die Nazis ihr Leben   bedrohten. ?In ihrem Tagebuch berichtet sie von ihrem „außerordentlichen  Lebensmut“ und dass sie deshalb imstande sei viel auszuhalten und sich nicht zu beugen. Ihre innere Stärke half ihr, ?über Jahre mit widrigsten Lebensumständen zurechtzukommen – zu überleben.

 

Leben ist lebensgefährlich

 

Es gibt tausend Risiken. Jeden Tag aufs Neue. Und erfahrungsgemäß wird das immer so bleiben. Leiden gehört zum Wachsen, selbst wenn es für alles Gesetze und Ratgeber geben würde. Die meisten Kinder werden beim Aufwachsen dennoch mehr oder weniger starke schwierige Erlebnisse haben. Und es wird auch immer Kinder geben, die von übermäßigem Unglück und Leid getroffen werden.      

 

Zum Glück sind wir Menschenkinder zähe Wesen. Wir überleben Verluste. Doch ohne Pflege, Zärtlichkeit und Fürsorge geht es uns schlecht. Wir brauchen andere wohlmeinende Menschen. Einer reicht!

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